Analyse der Marktstrukturen im Campingtourismus in Deutschland



Der Begriff "Event" umfasst stark kursbeeinflussende Ereignisse, die sowohl gesamtwirtschaftlicher z.

Beschreibung der Handelsidee


Soll Fortschritt Zwang sein? Ist Wachstum nicht sozialisierte Wertschöpfung? Kapital rechnet und quantifiziert. Es abstrahiert die Dinge auf ihren berechenbaren Nutzwert. Zwangsläufig rationalisiert der Fortschritt Werte weg, welche das Gegebene im umgreifenden Zusammenhang seines Daseins konstituieren. Sein Tempo und seine Faszination verengen die Optik. In seinem Lauf vernichtet er vorerst Werte in der öffentlichen Wahrnehmung und darauf real, oft gewaltsam und reihenweise.

Der Fortschritt verstösst sie in die monetäre Wertlosigkeit. Doch die Dynamik seiner Performance bannt uns, besticht unseren Blick. Ihre Magie blendet, macht uns blind für das Umgreifende, für den Zusammenhang. Veränderung ist doch eine Chance, wenn es um die Grundlagen und um das Überleben geht. Fortschritt erzeugt Synergien, bedeutet Aufbruch, Entwicklung. Investition in die Zukunft ist ein Wagnis, das sich lohnt. Wachstum bedeutet Kontinuität, Leben!

Nach der historischen Wende vor 25 Jahren steigt die Finanzwirtschaft mit New Economy und der Vernetzung der Informationssysteme zu unerhörter Machtfülle auf. Das Geld beginnt sein alle Werte absorbierendes und abstrahierendes Wesen zu entfalten. Mit pseudowissenschaftlicher Borniertheit und marktgetriebener Hemmungslosigkeit, mit der systematischen und zugleich kopflosen Produktivität einer Maschine perfektioniert sich die Kommerzialisierung.

Mit der globalen Kommerzialisierung der Arbeitskraft erreicht die Entwicklung im Hinblick auf die soziale Auswirkung ihre zynische Kulmination. Wo das Klonen und Klauen von Geldwerten sich gesetzlicher Kontrolle entzieht, führt auch die Verwertung menschlicher Arbeitsleistung unter dem Druck der Verhältnisse in Entwicklungsregionen zu brutalsten Formen der Ausbeutung.

Diese Täuschung löste die Dotcom-Krise aus. Die Spekulationsblase platzte Als sich die Woge überschlug, riss sie nicht nur viele verwegene Surfer, sondern auch die Hoffnungen kleiner Sparer und Kreditnehmer in ihren Strudel.

Die Aspekte sind paradox: Konstrukt und Wert entwickelten sich auseinander. Vor Ende des zweiten Jahrzehnts nach der Wende verpuffte der Schwung des ökonomischen Borderlinings in der Finanzkrise, denn die Substanz war masslos überschätzt worden. Als die Sicherungen durchbrannten, fehlte das Notprogramm.

Das Wirtschaftsklima bleibt nach dem Finanzkollaps trotz aufgewendeter Steuermilliarden und einschneidender Reformen zur Tilgung der Überschuldung unstabil. Die Generation der New Economy steckt im dritten Jahrzehnt nach der Wende in einer wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Dauerkrise des Verantwortung Auf- und Abschiebens. Ein Gefühl der Schuld frisst sich in die Seele und verwandelt sich bei jenen, welche am wenigsten Schuld tragen, in entlastende Wut.

Ob eine an überholten Modellen orientierte Reform die neue Wende schafft und die Wirtschaft in die Lage versetzt, den Auszubildenden real und ideell ausreichende - das heisst auch: Oder ob - angesichts der Verschärfung politischer Spannungen und wachsender ökologischer Belastung - eine durch smartbunte Werbemimikry getarnte Rat- und Orientierungslosigkeit um sich greift? Ob sie diese mittragen können, wenn sie die Leichtigkeit des Seins in einer Welt entdecken wollen, welche sich nicht am verabsolutierten Vernunftmass von Kommerz und Konsum orientiert.

Und vor allem davon, ob Zeit, Raum und Ressourcen für eine grundlegende Umgestaltung der Verhältnisse ausreichen, bevor die Dauerkrise in die Katastrophe eines neuen, in seinen Dimensionen kaum vorstellbaren Kriegs einmündet.

Die Leistungsmanie light wird das Boarden möglicherweise noch in diesem Jahrzehnt zur olympischen Disziplin erheben. Das Boarden wird wie schon das Freestyle- oder Speedskiing durch den exorbitanten Leistungsanspruch der Worldgames geweiht.

Neuerdings erlebt das Streetskaten auf Longboards einen verblüffenden Aufschwung. Wenn der Eindruck nicht täuscht, verwandelt sich der Lifestyletrend der Yuppie-Jahrzehnte gegenwärtig zum praktischen Protestmittel gegen die Verschwendung von Zeit und Energien im urbanen Strassenverkehr. Vielleicht werden radikalere Nachfolger der Occupy-Bewegung auf den Asphaltflitzern sogar den Bürgerschock einer neuen Revolte auslösen.

Menschenrechtsverstösse, Umweltvergiftung und Rüstungsproduktion dürften zu den Themen zählen, welche dereinst nicht mehr bloss Transparente vor bunten, doch immerhin zivilisierten Aufmärschen hertragen.

Der verlässliche Charme der Werbung "Die Werbung verführt uns, neue Dinge zu gebrauchen, bis wir sie zu brauchen glauben. Die Flasche war so verführerisch wie das prickelnde Aroma des Getränks. Der durstige Betontrucker am Nevada-Highway musste nicht lernen, mit der Faust ihre Taille zu umgreifen, um ihren Inhalt in die lechzende Kehle zu kippen.

Es war kein verkaufsschädigendes Gerücht, sondern eine Tatsache. Der Damenstrumpf wird nicht zur Marktreife entwickelt, denn Perlon erweist sich als hochtauglich zur Herstellung von Seilen, Fallschirmen für die Luftwaffe und Hochdruckschläuchen für Flugzeugreifen.

Am selben Tag - es ist der Propaganda und Geheimhaltung beherrschen den Kriegsmarkt. Auf dem Schwarzmarkt erzielen sie neben amerikanischen Zigaretten als harte Tauschwährung hohe Preise und symbolisieren den Anfang des westdeutschen Wirtschaftswunders.

In den Fünfzigerjahren produzieren beide deutschen Staaten ihre Kunststoffprodukte unter konkurrierenden Marken auf der Basis von Perlon.

Leicht, aber wenig hautfreundlich bestimmt das Produkt den Trend der Textilmode. Aufdringlich hat die Propaganda der Republik die Initialen ihres Kürzels darin eingewoben. Das Beispiel demonstriert, wie der Staat die Produktewerbung in den Dienst seiner Ideologie einspannt. Die Werbung im Erzieherstaat verbietet sich den Charme der Verführung, welchen das textile Produkt Nylon in der westlichen Modewelt und ihrer Werbung ebenso erregend und marktkonform in Szene setzt wie die Magazine des Print-Boulevard ihre Aufmachung.

Vance Packard und der Deutschamerikaner Ernest Dichter begründen mit wissenschaftlichem Anspruch einen umstrittenen Trend in der Werbung. Durch raffinierte verhaltenspsychologische Experimente und systematische Befragung ausgewählter Kunden ergründete man die Wechselbeziehung zwischen Wesensmerkmalen der Produkte und elementaren - meist unterschwelligen, besonders geschlechtsspezifischen - Bedürfnissen oder Neigungen.

Die Motivforschung diente dem lukrativen Zweck, Werbestrategien zu entwickeln, um den Kunden gezielt die Erfüllung ihrer praktischen und zugleich heimlichsten Wünsche durch den Kauf eines Produkts zu suggerieren.

Ernest Dichter untersucht beispielsweise die Wesensmerkmale verschiedener Textilien. Er bemüht die hebräische Schöpfungsmythologie und spekuliert, das Bedürfnis sich zu bekleiden entspreche einem Urbedürfnis nach Schutz und Restitution des durch die Scham vor der Nacktheit verlorenen paradiesischen Zustands. Dichter mutet der Werbung die Aufgabe zu, die Vorurteile der Männer gegenüber Baumwollstoffen zu entkräften.

Da es seinen hartnäckigen Widerstand zu brechen gilt, muss der Mann gewissermassen zu einer mentalen Geschlechtsumwandlung verführt werden. Gelingt die Strategie, dann zeichnet sich ab, dass er sogar die intime feminine Seide zu tragen begehren würde.

Was der Eisprung der Kriegsgenerationen genetisch nicht vorsah, gelang in der Nachkriegszeit der Modewerbung und dem Markt. Das geschlechtskonforme Must gestattete Konzessionen zugunsten duftiger und cooler Gewebe. Der Mann liess sich so weit konditionieren, dass er sich raue Wollstoffe wie den Tweed zusammen mit den anerzogenen virilen Tugenden der national-imperialen Epoche allmählich abgewöhnte.

Welche technischen und ökonomischen Faktoren dabei ausser der Werbung trendsetzend mitwirkten sei dahingestellt. Bei der Nachkriegsgeneration spielte zweifellos der Konflikt mit den Vätern eine stimulierende Rolle. Zunächst mischte aber der Kunststoff die Modebranche und den gesamten Textilmarkt vielseitig auf. In den neokolonialen Sechzigerjahren führte er nach Damenstrumpf und Bluse das knitterfreie Nylonhemd als männertaugliches Oberstück ein.

Dass die Kunstfaser lästiges Bügeln erspare galt vorerst als Trumpf, doch ihr Tragkomfort erwarb ihr bald einen zweifelhaften Ruf. Sie galt als hautfeindlich und schweisstreibend. Es macht neugierig, welche geschlechterspezifischen Eigenschaften Dichter aufgrund einer Befragung dem Nylon angedichtet hätte.

Die Frühzeit der Motivforschung ist die Epoche des Highwaybooms und der amerikanischen Strassenkreuzer mit den imponierenden Heckflossen, das heisse Jahrzehnt des kapitalistischen Wirtschaftswunders und seiner unersättlichen Steigerung der Ansprüche. In Dichters exploratorischer Hinterlassenschaft stösst man immerhin auf psychologisch aufschlussreiche Erhebungen zur knitterfreien Bettwäsche.

Sie decken die in geschlechtlichen Beziehungen spröde calvinistische Mentalität des amerikanischen Bürgertums der Epoche auf: Revoltierende linke Studenten und Sozialanarchisten wagen es paarweise schamlos nackt aufzutreten und für das Gleichstellungsparadies zu demonstrieren. Der vom bürgerlichen Profilierungszwang zu seiner Emotionalität befreite Mann und die aus ihrer einschnürenden Geschlechterrolle ausbrechende Frau proben in Kommunen zwanglos neue Formen des Zusammenlebens. Eva ist nicht erst aus der Rippe des Mannes geschaffen, sie ist schon da.

Sie trägt Jeans wie Adam, spielt unter dem hautengen Stoff ihre Reize aus und manifestiert zugleich ihre Mitentscheidungskompetenz, während Adam sein weiblich langes Haar als Zeichen intellektueller Autorität struppig-wildwachsend oder zum Rossschwanz gebündelt und zu verfilzenden Zöpfchen geflochten trägt. Die Entgleisung der rebellischen Generation stört die auf Aufbau und Fortschritt ausgerichtete und von Neurosen geplagte heile Väterwelt der Nachkriegszeit auf.

Die Grossmächte und das geteilte Europa sind auf den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf und die nukleare Dominanz ausgerichtet, China hat die maoistische Revolution konsolidiert und die USA sind heillos in den Vietnamkrieg verstrickt. Die Auflehnung für Abrüstung und den Weltfrieden flösst der Studentenbewegung die nötige politische Energie ein. In den Anfängen der Motivforschung herrscht ein heute etwas blauäugig erscheinender Zweckoptimismus vor.

Ihre hausgemachten Rezepte und Strategien waren in den Fünfzigern vielleicht masssetzend, muten aber angesichts der komplexeren Bedingungen des globalen Markts und der Dominanz elektronischer Medien bei der Vermittlung und Selektion des Angebots ziemlich archaisch an. So hat zum Beispiel das für das Mittelklasse-Milieu typische Prestigebedürfnis als Konsummotiv auf dem PKW-Markt nicht mehr den herausragenden Stellenwert, welchen ihm die Motivforschung in der Epoche der benzindurstigen, mit imponierenden Heckflossen und spiegelndem Chrom ausgestatteten Limousinen beimass.

Durch ihre eklatante Aufmachung präsentierten sich diese vorsätzlich als Statussymbole. Motivforschung im Dienst der Werbung hat heute wesentlich komplizierteren Wechselbeziehungen zwischen Angebot und Bedürfnis Rechnung zu tragen. Der zugkräftige Slogan unterstreicht die gültige Relation. Die Ansprüche haben sich entwickelt, der Konsument lässt sich durch Schnickschnack nicht mehr so leicht verführen, er verfolgt die technische Entwicklung, erwartet Orientierung.

Coolness in diesem Sinn kennzeichnet ihn stärker als das Bedürfnis, sich mit einer Anschaffung gesellschaftlich zu profilieren. Seine intellektuelle Coolness verbindet sich aber mit einem starken emotionalen Moment. Kurve und Gerade sind unendlich eins - Symbol der Perfektion. Im natürlichen Gefühl gemeinsamer Performance wachsen Mensch und Automat zusammen. Perfektion ist zentaurisch, die Identifikation mit der Technik verleiht dem Menschen Augenblicke der Unsterblichkeit. So wirbt Opel - nicht für sich, für eine Welt.

Der PKW befriedigt ein durch die gigantische Infrastruktur selbständig und selbstverständlich gewordenes Mobilitätsbedürfnis. Man braucht den Wagen nicht nur als praktisches Transport- und Beförderungsmittel etwa zwischen Wohnort, Einkaufszentrum und Arbeitsplatz, sondern auch um rasch und bequem ins Wochenende, zum Besuch von Anlässen oder in die Ferien zu verreisen.

Bestimmt will der ökonomische Anspruch des Autokäufers ebenso wie sein wachsendes Interesse an ökologischer Effizienz auf die Rechnung kommen. Im Spektrum seiner emotionalen Disposition ist aber das Verlangen nach Beschleunigung, Temposteigerung, Drive, Dynamik, Power nach wie vor, ja stärker als je relevant. Die Potenzen des Automobils dienen vor allem der Befriedigung des Bedürfnisses nach erweitertem Aktivitäts- und Erlebnisraum.

Sie bedienen den Wunsch nach schneller Ortsveränderung und Bewegung. Nach weiträumiger Verbindung zur Sicherung gesellschaftlicher Beziehungen ebenso wie nach Ausstieg, Abenteuer, individueller Entgrenzung.

Sie bieten die Möglichkeit schnell der Enge konditionierender Verhältnisse zu entkommen und vermitteln nicht zuletzt ein momentan berauschendes Machtgefühl. Natürlich bedient die Autoindustrie auch schlichtere Wünsche und entlastet zugleich das ökologische Gewissen. Smarties oder Cityflitzers fahren und parken im Nahverkehr heute elegant und anstandslos elektrisch.

Es wäre allerdings lächerlich, wenn die schmiegsamen Stadt-, Spar- oder Öko-Mobile durch ihr Design das Potenzial oder den Komfort der Powerklasse vortäuschen wollten. Was hingegen Highway- und Off-Roader von Compact bis Fullsize-Klasse durch ihr kraftvoll-elegantes Design draufzuhaben vorgeben, muss auch drin liegen.

Der Kunde lässt sich nicht täuschen: Dass die lange hochgepokerten alternativen Antriebssysteme nicht nur die Ökobilanz revolutionieren, sondern zugleich die durch den Benziner etablierten Standardansprüche erfüllen müssen, ist ausgemacht, da hilft keine Augenwischerei.

Die Drohung, dass die technische Akrobatiknummer der Konkurrenz glückt, treibt den Ehrgeiz der Forschung und die Markterwartungen auf die Spitze. Die Einsicht, dass leere Werbeversprechen sich nicht bezahlt machen, hat sich in den Verwaltungsräten inzwischen offenbar durchgesetzt.

Kein Wunder, denn der Prototyp des Vollautomaten ist schon auf Testfahrt unterwegs. Ja, er wird sich durchsetzen, unken Insider, doch erst in Jahrzehnten.

Wann ist der Grenznutzen der privaten Mobilität erreicht? Ist er bereits überschritten? Wie lange sind ihre wachsenden Umwelt- und Infrastrukturkosten noch zu finanzieren? Welchen Aufwand leisten wir uns? Und wo liegt die noch tolerierbare obere Grenze wachsender Staatsverschuldung? Wir wissen es nicht genau. Das Alpenland Schweiz ist dicht besiedelt und vernetzt. Verkehrsdichte und private Mobilität sind hoch.

Eine Rechnung stellt den km2 verbauter Gebäudefläche nicht weniger als km2 Fläche für Auto-Fahrbahnen und Parkplätze gegenüber. Die Mobilität ist der grösste Landfresser. Zwar begleichen sich die Kosten für den Bau und Unterhalt der Nationalstrasse - des grössten Bauunternehmens aller Zeiten - zu hundert Prozent aus der Treibstoff-Abgabe, indirekt also über einen Aufpreis der Energie.

Aber das dichte Netz der Kommunal- und Kantonsstrassen finanziert sich durch Steuern. Drastisch müsste sich dem Steuerzahler die Kostenwahrheit offenbaren: Nicht nur der Ausbau des Netzes und das verbaute Land sind teuer.

Extrem belastet die starke Zunahme des Privat- und Schwerverkehrs die Fahrbahnen. Der Schüttelzahnbagger reisst ihr Trassee regelmässig auf. Die Sanierung schafft einen Dauerbauplatz und hochbezahlte Aufträge für den Tiefbau. Auch für den Tunnelbau verlangt die Mobilität ihr Opfer. Der einen Röhre des Alpendurchstichs folgt bei der zu erwartenden Verkehrswelle logisch die zweite. Macht sich die gewaltige Investition in den Gotthardgranit auch für die nächste Generation bezahlt?

Solche Fragen und Relationen einer verdienstvollen Kostenrechnung, deren Zahlen nie in der Automobilwerbung figurieren! Erstaunlich, wie gelassen und gedankenlos er Lärm und Stau als Folgen für die teure Dienstleistung zugunsten der Mobilität hinnimmt. Für Sicherheit zahlt er viel.

Ein erhöhtes Todesrisiko nähme er auch hoch versichert niemals in Kauf. Eine konsumkritische, durch die Umwelt- und Menschenrechtsbewegung inspirierte Motivforschung thematisiert längst einen grundsätzlichen Aspekt. Es geht ihr um die Erkenntnis, dass sich mit einem grenzenlosen Wachstum des Angebots ein teilweise ins Absurde gesteigerter, ökonomisch und ökologisch fragwürdiger Anspruch verbindet und dass sich die soziale Verteilungs-Ungerechtigkeit - etwa im Hinblick auf Vermögen, Lebensstandard, Arbeitsangebot, Arbeitsbedingungen, Kultur, Gesundheit - zusammen mit der Verschwendung nicht erneuerbarer Ressourcen immer deutlicher zu einer globalen Krise ausweitet.

Man kann die gegenwärtige Krise als einen Sinnkonflikt verstehen, welcher mit der perfektionistischen Vision der technisch-industriellen Entwicklung und dem Surrogat-Charakter ihrer materiellen Glücksverheissungen zusammenhängt. In seinen Ursachen und Auswirkungen ist dieses Phänomen noch nicht restlos zu begreifen.

Bade prognostiziert schon um die Jahrtausendwende ein dramatisches Wachstum der Migration aus Entwicklungsländern in den hochindustrialisierten Norden der Welt und analysiert die Hintergründe. Den durch das Ende des Kalten Kriegs ausgelösten Kapitalströmen korrespondieren die weltweiten Migrationsströme.

Zusammen mit Rohstoffverknappung, Umweltzerstörung, den Folgen von Klimakatastrophen und Bürgerkriegen verschärft sich das disproportionale Wachstum. Solange die Industrienationen, insbesondere die führenden, selbstbezogen auf Wachstumsgewinn abstellen und die Schotten schliessen, statt das Wagnis einer solidarischen Krisenpolitik nach aussen anzutreten und gleichzeitig nach innen grundlegende wirtschaftspolitische Veränderungen durchzusetzen, solange setzen sie ihre eigene Zukunft aufs Spiel.

Der unter anderem Ernst Jünger geistig nahe stehende Marburger Soziologe Hans Freyer beschrieb schon um , als die Motivforschung in den USA populär wurde, das Wesen des technischen Fortschritts aus einer ganzheitlich-kritischen Perspektive. Seine zahlreiche Aspekte umgreifende Darstellung ist - im Unterschied zu den einseitig konsumorientierten Forschungsergebnissen des exildeutschen Amerikaners Dichter - von zeitloser Gültigkeit.

Welchen ehrbaren Wegen folgt die Perfektionierung der angewandten Motivforschung im weiten Feld der Wünsche und Triebe? Als letzter Schrei präsentiert sich das sogenannte Neuromarketing, ein Ausfluss der Hirnforschung. Die PR-Persuaders wagen sich in die biochemische Hexenküche der Hormone, der heimlichen Botenstoffe, welche den biologischen Haushalt steuern und regulieren. Auf der Basis von Erkenntnissen über das limbische System, welches Gefühle und Triebe zwischen der Dreifaltigkeit der Wunschvektoren Balance, Dominanz und Stimulanz steuert, entwickeln sie eine neurobiologische Typologie und prätendieren, das Kaufverhalten der Konsumenten nach ihrer unterschiedlichen Veranlagung oder Verfassung prozentual vorherbestimmen zu können.

Der Trend des Neuromarketing ist ein penetrant-nutzloser Appendix der in einen irrationalen Kategorisierungswahn verstiegenen Ökonomisierung. Der praktische Anspruch ist umstritten, für die Zielkalkulation der Werbung erbringt sie kaum erhellende Einsichten über das hinaus, was wir durch Selbsterfahrung ohnehin von uns wissen. Benötigt Werbung eine theoretische Grundlage?

Sie ist praxisorientiert, entwickelt ihre Systeme aus dem Geschäft. Merchandising ist ihre Potenz. Warum sollte sie nicht selbst darauf kommen, dass zum Beispiel die Animation des Spieltriebs und der Gewinnsucht die Konsumfreude fördert.

Ihren Schauplatz geben die typischen, in der Regel vertrauten und überschaubaren Milieus her: Stoff ist das Zwischenmenschliche und Allzumenschliche, mit dem sich jedermann ebenso zwanglos identifiziert wie mit dem typischen Personal. Wir überfliegen seine Liste: Alles läuft wie geschmiert, ruck-zuck, wenn auch nicht ohne kleine Malheurs, die man mit Spass wegsteckt, die freundschaftliche Zuwendung wegtröstet.

Die Fantasy-Story hilft über Stress weg und zum kommerziellen Wunschtraum. Wenn das Büro zur Klapsmühle wird und das Inventar hochfliegt, kommt Rettung von oben und landet im Kunstflug zum Staunen aller mitten in der City: Rettung landet überall, auch im Hochgebirge, in Schnee und Eis, oder im Urwald.

Wohl verständlich, dass in der neuesten Version ein verirrtes Huhn, das offenbar den Anschluss verpasst hat, verstört aus der Halle ins Freie rennt. Die Ursachen der Entfremdung zu durchleuchten ist nicht Sache der Werbung.

Aufklärung und Kontroverse überlässt sie dem Konsumentenschutz und der Politik. Wir, die wir uns nicht kaufen lassen wollen, sollten gut zuschauen, ob die Politik es auch so hält. Die neueste M-Spotwerbung schickt wirklich zwei kleine Eindringlinge durch gigantische Verarbeitungs- und Lagerhallen, zu den muskulösen Teigwalkern, den Riesen im Märchenland, und sogar durch das Tiefkühllager, wo die witzigen Knirpse Schokoladeeis en gros mitlaufen lassen.

Die helle Kassierin am Fliessband drückt ein Auge zu und scannt die Beute der beiden Schleckmäuler kostenlos durch. Was zeigt der Spot? Auch im Schlaraffenland fallen Knusperkekse und Hühnchen nicht vom Himmel.

Und was, wenn der Milchpreis in der EU zusammenbricht? Gibt der Bauer dann seinen Betrieb auf oder schützen ihn die Grossverteiler gegen die Folgen? Die Migros-Werbung projiziert die Vorstellung romantischer Arbeitsverhältnisse in Stall und Hof, während doch heute jedes Schulkind wissen sollte, dass Melkroboter in Laufställen die Zitzen automatisch reinigen und das Produkt in Schläuchen mittels Vakuumpumpen pulsierend in die Milchkühltanks leiten.

Sichern sie die Zukunft des Hofs? Für einen ungebetenen Gast schon ziemlich taktlos. Aldi und Konsorten mischen doch wohltuend das eidgenossenschaftliche Hochpreis-Monopol auf, was schmale Einkommen entlastet.

Ihre Strategie senkt zwar die Preislatte bravo! Für den Druck, der seine Produzenten bedrängt, hat das Unternehmen wohl so wenig Feingefühl wie für die Arbeitsbedingungen seiner Angestellten.

Hauptsache, Umsatz und Gewinn erfüllen die Konzernerwartung. Der süffisante, dem Geschmack der Spassgesellschaft gefällige Stil der Werbewelle mag zwar noch als populär hingehen. Werbung hält die Verdrängungsschlacht der Grossen in Gang. Frei Haus decken sie den Konsumenten wöchentlich gnadenlos mit billigem Druckwisch ein. Seit ihrer Gründung setzt sie sich für Volksbildung und Kultur ein. Das wäre ein antiquiertes Missverständnis.

Jedermann wird beim Golfen nicht bloss sein gesellschaftliches Profil, sondern auch seine Zielgenauigkeit sportlich zu schärfen Gelegenheit haben. Sie beraten, bieten Sonderkondition. Ich schenke mir den starken Wagen, leiste mir die Karate, den Schliff, gönne mir den Cashmere, die Kreuzfahrt, das Wellnesspaket. Ja, prominente Institutionen bieten sich mit ihrem Komfort der Superklasse als Elysien profaner Konsumerlösung an. Der heiss Umworbene lässt sich mit Wonne auf die temporären Paradiesillusionen ein.

Umwerbung und Angebot gehen in ihrer verführerischen Präsenz eine beinahe! Denn sie sind vom Gefüge nicht so vollständig abgelöst, dass sie nicht der Konkursmasse verfielen.

So riskant verhängt sind die Geschäfte eines Riesen unter den Warenhäusern und mit ihnen Zehntausende von Arbeitsplätzen. Mit Werbung und optimistischen Bulletins lassen sich Liquiditäts- und Imageprobleme nicht endlos kaschieren.

Manches Grand-Magasin hat sich von seiner lichterstrahlenden Grandezza zum Brockenhaus heruntergewirtschaftet. Ist es clever, den auf die Dauer aufkeimenden Überdruss eines rekord- und auswahlmüden Publikums zu unterschätzen?

Indischer Glamour paart sich zwar mit unseren Ferienträumen und unserem sublimierten Bewusstsein globaler Vernetzung. Aber das Luxus-Angebot der Aktionswoche stösst sich mit der sozialen Realität des Drittwelt-Milieus südasiatischer Regionen, mit den unerträglichen Bildern des Elends, welches die Medien im Highlife-Milieu unserer Hemisphäre verbreiten.

Der Begriff Kolonialwaren ist abgeschafft. Der Welthandel versorgt uns selbstverständlich und unabhängig von den Jahreszeiten täglich mit frischen Produkten aller Weltkontinente. Aber eine vertiefte Kluft im sozialen Gefüge gräbt sich im emotionalen Gedächtnis ein.

Wer argumentiert, es handle sich bei der in Erfolgszahlen erfassten Entwicklung nicht bloss um rein quantitatives, sondern um qualitativ-differenziertes, selektives Wachstum, muss bei ganzheitlicher Betrachtung zur Kenntnis nehmen, dass die nachhaltige Form wirtschaftlicher Selektion Spannungszonen erzeugt und unter Umständen rücksichtslos zu einer Sinngrenze der Verwertung hintreibt.

Wir haben kaum mehr Grund uns zu wundern, dass der Andrang von Menschen aus Armutsregionen an unseren Grenzen zunimmt. Wenn, wie gerade jetzt, der Wirtschaftsmotor wieder stottert, die beunruhigenden Hüpfer der Aktienkurse oder die kontinuierlich fallenden Erdölpreise eine Dämpfung oder sogar einen neuen Einbruch der Weltkonjunktur erahnen lassen, dann herrscht unter den Automobilkonzernen wieder High Noon.

Bewährte Qualität fällt bei der Kaufentscheidung wieder stärker ins Gewicht als das flotte Aussehen und die technischen Spielereien, welche sich der Bequemlichkeit andienen. Pannen darf sich in solchen Zeiten kein Konzern mehr leisten. Im harten Testvergleich setzt sich das neue Modell auf der Rennstrecke durch. Doch das heisse Marktklima zaubert die gross angerührte Werbeperformance herbei. Hier überschlagen sich Pomp und Theatralik.

Das Schattentheater der Weltpresse empfängt die neue Kreation des Konzerns. Der Festakt hat Weltformat. Im Alltag muss sich Werbung mit psychologischer Raffinesse dem Wert- und Klassenbewusstsein des Konsumenten anschmeicheln, seiner Selbstgefälligkeit gefallen, sein Profilierungsbedürfnis stimulieren. Der Konsument erscheint im Spot als hoch anspruchsvoll und erfahren: Die ältere Dame, welche zusammen mit ihrem Sohn als Beifahrer die Luxuslimousine testet, zeigt sich beim leisen Start am Steuer mit herablassender Miene von der Qualität des Motors befriedigt.

Der Plug-in-Hybrid-Motor ist luxustauglich. Mechaniker im Astronautenlook schwärmen um das Modell in der Boxe. Natürlich sein Freund, der sich vom Beifahrersitz nach vorn beugt und dem Zuschauer neckisch ins Gesicht lächelt, worauf der Wagen fast aus dem Stand auf Volltouren beschleunigt. In der Sekunde bevor das weisse Cabrio aus der Bildfläche verschwindet, hat ihn der Zuschauer gerade noch erkannt: Natürlich muss Mercedes in jeder Finesse auch die Leistung des Hochleistungs-Cabrios M-4 der bayrischen Konkurrenz egalisieren, dessen elektrisch gesteuerten Soundklappen das grollende Röhren erzeugen, welches Kraft im Überfluss verrät.

Wenn man heute gegen asiatische Konkurrenz Elektro-Technologie der Elite zum Standard erheben will, dann muss man beweisen, dass man in der Forschung an der Spitze arbeitet. Induktion, berührungsfreie Energieübertragung über ein magnetisches Wechselfeld, das ist die komplexe Technologie, welche der Konzern gerade aus dem Brutstadium zur Marktreife entwickelt.

Sogar bei voller Fahrt? Getestet wird schon die Magnetresonanz-Kopplung über Spulen in der Fahrbahn. Bestimmt werden sich die Infrastrukturkosten zahlen. Die Probleme, welche technologische Entwicklung uns aufzwang, haben wir noch stets gelöst.

Die Automacher werden das Perpetuum Mobile erfinden. Apropos Spass und Action: Die zwei Piloten stehen grinsend in der Glaskabine des Windkanals und steuern die Energie der Turbine, während zehn Models mit geblähten Blusen, fliegenden Jupes und gestrafften Gesichtern im aufkommenden Tornado um die Wette Designschuhe in ihre Warenkörbe sammeln. Sie strecken und stemmen sich gegen die Wucht, hüpfen und tasten nach Halt, fangen sich auf oder drohen bei hilflosen Kapriolen zu kullern. Während die Ernte der Sammlerinnen gezählt wird, steigen die zwei Herren im Rennanzug ohne Helm in die Boliden, um sich der maximalen Windstärke auszusetzen.

Dabei verziehen sich ihre Lefzen zu grinsenden Masken. Der Werbetrailer ist leicht schlüpfrig, aber nicht ausreichend windschlüpfrig, um den Lachtest zu bestehen.

Die Einschaltquote ist hoch. Nicht nur wo die Boliden dröhnen, auch wo die Stars der Skater brettern. LUXUS erweist sich als krisenbeständig. Mehrwert sichert sich in beständigen Werten gegen drohenden Wertverlust. In einem Deutschschweizer Steuerparadies wird Landwirtschaftsland in einen Golfplatz verwandelt und mit strapazierfähigem Zierrasen begrünt.

Eine saubere Sache in jeder Hinsicht, die politische Werbung schlägt durch, der lukrative Gemeindebeschluss ist unangefochten. So fabuliert der Prospekt einer renommierten Genfer Maklerfirma und drückt mit Ausverkaufsstimmung den Preis hoch: Natürlich lässt sich das Golfplatz-Projekt der attraktiven Landgemeinde in der Deutschschweiz mit ähnlichen Argumenten begründen.

Kapitalisierung von Land als Strategie gegen die Erosion der Werte. Schweizer Luxusmarke, deren Markenzeichen - das winzige goldene Hufeisen eines Märchen-Zauberpferds - Echtheit und Schweizer Qualität weltweit garantiert. Die Historie wird fortgeschrieben, wie es sich für Produkte gebührt, die für die Ewigkeit kreiert werden. Dieser Artikel gibt Beispiele für das Vorgehen bei leichten mit mittelschweren psychischen Problemen.

Falls Sie selbst oder Ihr Partner sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden oder Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie bitte mit Menschen, die dafür ausgebildet sind.

Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote. Der richtige Weg zur Therapie. Von Jennifer Köllen Jennifer Köllen. Diskutieren Sie über diesen Artikel. Alle Kommentare öffnen Seite 1. Psychotherapie ist AUCH gefährlich. Zwar mag es Fälle geben, wo eine Therapie zum Erfolg führt, v. Aber der Artikel ist [ Aber der Artikel ist viel zu positiv und naiv. Woher stammen denn die positiven Zahlen??

In meinem Bekanntenkreis jedenfalls gibt es fast nur Fälle, wo eine Therapie zu noch mehr Rumstochern in der Kindheit und Rumgrübeln im Irrgarten des Gehirns und des Herzens führte. Zu den Gefahren des ganzen Psychowahnsinns siehe etwa die mahnende und sorgfältige Arbeit von Eva Illouz: Die Errettung der modernen Seele. Therapien, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe. Suhrkamp, Frankfurt am Main Der Artikel differenziert nicht zwischen den verschiedenen Richtlinienverfahren.

Ein Psychotherapeut, der verhaltenstherapeutisch arbeitet, wird sich weniger mit der nicht mehr änderbaren! Vergangenheit des Patienten [ Vergangenheit des Patienten auseinandersetzen, sondern es werden gemeinsam Lösungen für die aktuellen Probleme des Patienten gesucht und es wird analysiert, wodurch die Symptome aufrechterhalten werden z.

Darüber hinaus sollte eine "Passung" zwischen Therapeut und Patient auf der zwischenmenschlichen Ebene gegeben sein, denn die therapeutische Beziehung wirkt auch.

Leider gibt es viel zu wenig kassenzugelassene Psychotherapeuten - dies stellt der Autor des Artikels zutreffend dar. Wer keinen Therapieplatz bei einem kassenzugelassenen Therapeuten bekommt, kann in eine Privatpraxis gehen und von seiner Krankenversicherung die sog.

Dies hätte noch ergänzt werden können. Die Sache mit Ende und Schrecken. Eine Psychotherapie ist sicher nicht immer und in allen Lebenslagen hilfreich. Aber Ihre Begründungen für angebliche Misserfolge von Therapien sind nicht weniger dürfig. Ja, häufig liegen die Ursachen psychischer Probleme ja in der Vergangenheit und auch bzw. Wenn es dann zu einer Neuordnung der Verhältnisse oder gar zum Bruch kommt, umso besser!